Fußchirurgie

Röntgenaufname FussGrundsätzlich gilt: Es wird immer erst versucht, die Beschwerden ohne Operation zu behandeln!
Vor einer Operation sollte daher in jedem Fall eine konservative Behandlung erfolgen, z.B. mit Einlagen, Schuhzurichtungen o.ä. Hilfsmitteln oder Orthesen, z.T. auch mit Medikamenten oder Spritzen. Erst wenn die konservative Therapie erfolglos ist, d.h. wenn die Beschwerden weiter bestehen, muss man sich zur OP entscheiden.

Die meisten Eingriffe werden am Vorfuß durchgeführt.

 

Beschwerden und Korrekturmöglichkeiten im Fußbereich

FußBei Deformitäten sind in der Mehrzahl Kochenkorrekturen notwendig, besonders häufig beim sog. Ballen am Großzehengrundgelenk (Hallux valgus), seltener auch beim 'Schneiderballen' am Kleinzehengrundgelenk (MT-5-valgus).
Bei diesen Fehlstellungen wird meist eine Verschiebung des gelenktragenden Mittelfußköpfchen vorgenommen.
Je nach Ausmaß der Deformität muss häufig auch eine Operation an Sehnen, Bändern und der Kapsel durchgeführt werden. Zur Stabilisierung der knöchernen Korrektur werden meist ein oder zwei Metallstifte eingesetzt.

Hallux valgus – der „Ballen“ Es kommt zu einer Abweichung des Großzehs nach außen. Ursache ist meist, dass der Mittelfußknochen des Großzehs nach innen abweicht und hierdurch der Zeh nach außen gedrückt wird. Es kommt dann oft zu einer Schleimbeutelbildung und Entzündungen und führt insbesondere in engen Schuhen zu Schmerzen und Druckstellen.

Ballenoperationen

leichte Form: Meist genügt es, den vorstehenden Knochen mit einer kleinen Säge abzutragen und eventuell noch eine Sehnenverlagerung sowie eine Kapselkorrektur durchzuführen. Nach zwei Wochen darf man wieder voll auftreten.
mittelschwere Form: Wegen der deutlicher Fehlstellung ist eine Korrektur im Mittelfußbereich erforderlich. Der Mittelfußknochen des Großzehs wird durch eine Knochenverschiebung korrigiert. Anschließend wird der Knochen in der exakten Stellung mit Drähten fixiert. Meist muss noch eine Sehne abgelöst werden, welche den Großzeh in die Fehlstellung zog. Der vorstehende Ballen wird geglättet und die Gelenkkapsel korrigiert. In der Regel dürfen Sie nach vier Wochen wieder voll auftreten.
Endstadium mit Arthrose (Gelenkzerstörung) Da das Gelenk zerstört ist, kann man einen Teil des Knochens des Großzehgrundgliedes entfernen. Der Zeh wird dadurch kürzer. Für zwei Wochen wird der Zeh mit einem Draht in der richtigen Stellung gehalten, da erst ein Ersatzgelenk wachsen muss. Sie dürfen normalerweise nach zwei Wochen wieder voll auftreten.
Alternativ kann eine Versteifungsoperation im Großzehgrundgelenk erfolgen. Der Vorteil ist, dass eine stabile Belastung und auch sportliche Betätigungen auf Dauer möglich sind.

Bei Fehlstellungen der übrigen Kleinzehen, Hammer- oder Krallenzehen, werden ebenfalls knöcherne Korrekturen durchgeführt, meist als  modifizierten 'OP n. Hohmann'.

Hammerzehen
Es handelt sich um eine Überstreckung im Endgelenk und um eine fixierte Beugung im Mittelgelenk. Es kommt oft zu einer schmerzhaften Hornhautbildung auf der Streckseite des Grundgelenkes mit Entzündung und zu schmerzhaften Schwielen unter den Vorfußballen. Wegen der Gelenkversteifung wird in örtlicher Betäubung das Köpfchen des Grundgliedes entfernt. Die korrigierte Stellung wird mit einem Draht für zwei Wochen gehalten. Anschließend dürfen Sie wieder voll auftreten.


Kombiniert mit diesen Kleinzehendeformitäten (aber auch mal ohne sie) besteht nicht selten ein schmerzhaft durchgetretener Vorfußballen ('Metatarsalgie'), der wiederum manchmal durch eine verkürzende Knochen-OP am Mittelfußköpfchen('Weil-Osteotomie') behandelt werden kann. Häufig ist zusätzlich (selten alleinig) eine Sehnenverlängerung erforderlich.

Arthrosen im Vorfußbereich bertreffen meist das Großzehengrundgelenk, der sog. Hallux rigidus. Je nach Schwere der Verschleißveränderungen bzw. Abnutzung wird hierfür eine gelenkerhaltene Operation, eine  Resektionsarthroplastik oder  eine Versteifung  durchgeführt. Bei geringem bis mäßig ausgeprägter Arthrose kann man das Gelenk häufig erhalten. Dann müssen Verknöcherungen und z.T.  Gelenkkörper entfernt werden ('Cheilektomie').
Bei besonders langem 1. Mittelfußknochen kann dieser  dazu noch etwas verkürzt (und nach unten verschoben) werden ('OP n. Waterman-Green').

Dr. Huhnt im OP, Praxis "Am Rosengarten" Kassel OberzwehrenEin schwerer Hallux rigidus kann manchmal nicht mehr gelenkerhaltend operiert werden. Dann wird entweder das Großzehengrundgelenk in einer fürs Abrollen günstigen Stellung versteift ('Arthrodese') oder es wird ein Gelenkteil entfernt ('Resektionsarthroplastik'), bekannt auch als OP nach Keller/Brandes.

Knöcherne Operationen des Mittelfußes, der Fußwurzel und des Rückfußes sind weniger häufig und werden auch meist stationär im Krankenhaus durchgeführt.
Ambulante Operationen sind in diesem Bereich Abtragungen von Knochenhöckern, z.B. an der Ferse ('Haglund-Exostose').
In diesem Bereich und an den Sprunggelenken muss gelegentlich an Sehnen und Bändern operiert werden, z.B. Raffung oder Verlängerung von Sehnen oder Verstärkung von zu lockereren Bänder. Einengungen von Nerven oder Sehnenscheiden können beseitigt werden ('Tendovaginitis stenosans', 'Tarsaltunnelsyndrom'). Selten muss auch eine entzündete Achillessehne operiert werden ('Achillodynie').

Relativ häufig sind Entfernungen von Fremdmaterial ('Metallentfernung'). Nach Voroperationen wie 'Osteosynthesen' usw. verbleiben Metallstifte, Schrauben und/oder Platten, die meist später entfernt werden müssen.

 

Dr. Huhnt, Orthopäde in Kassel, mit Fußmodell

Die Anästhesie

Fußoperationen sind grundsätzlich in örtlicher Betäubung (Fußblock), mit einer Regionalbetäubung des Unterschenkels und Blutsperre oder in Vollnarkose möglich. Welches Narkoseverfahren durchgeführt wird, ist einerseits von der Art des Eingriffs abhängig, andererseits wird so weit wie möglich der Wunsch des Patienten berücksichtigt.

Die Nachbehandlung

Direkt nach der Operation wird ein Verband angelegt. Meistens erhalten Sie von uns einen speziellen Verbandsschuh, welcher den Zeh schützt. Mit diesem Schuh können Sie auftreten, ohne dass der Vorfuß belastet wird.