Skoliose

Es handelt sich um eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule meist unbekannter Ursache.

Selten beginnt die Verbiegung bereits im Säuglings- oder Kindesalter (infantile oder juvenile Skoliose). Bei diesem Typ sind Jungen und Mädchen gleich häufig betroffen.

Häufiger beginnt die Verbiegung während der Pubertät (adoleszente Form).
Hierbei sind vorwiegend Mädchen betroffen mit Verbiegung der Brustwirbelsäule nach rechts.


Wenn die Skoliose sehr früh auftritt (juvenile Skoliose zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr) ist die Prognose eher schlechter. Meist nimmt dann die Skoliose bis zum 10. Lebensjahr jährlich um 1-3° zu, während des pubertären Wachstumsschubes sogar um 5-10°.

Ursachen:

Häufig wird ein verfrühter pubertärer Wachstumsschub gefunden.
Skoliosen treten familiär gehäuft auf.
Manchmal bestehen Beinlängendifferenzen. Diese haben aber für die  Skoliose nur dann eine Bedeutung, wenn sie mehr als 2 cm betragen.

Diagnostik:

Zur Beurteilung einer Skoliose gehören vollständige Aufnahmen der Brust- und Lendenwirbelsäule. Hierbei kann dann eine genaue Messung des Skoliosewinkels durchgeführt werden.

Zur Abschätzung der Prognose muss man auch das Skelettalter bestimmen. Hierbei wird vor allem die Verknöcherung am Beckenkamm beurteilt.

Kontrollen:

Vor der Pubertät reichen bei einer geringen Skoliose (unter 20°) jährliche Kontrollen.
Nur bei Verdacht auf Zunahme der Skoliose ist ein Röntgenbild erforderlich.

Während des pubertären Wachstumsschubes sollten halbjährliche Kontrollen erfolgen,
bei Skoliosen über 20°alle  drei Monate.

Therapie:

Krankengymnastik kann  die Prognose verbessern. Weitere Ziele der Physiotherapie sind Verbesserung der allgemeinen Haltung, Kräftigung der Muskulatur, Verminderung des Hohlkreuzes, Verbesserung der Herz- und Lungenfunktion.

Korsettbehandlung:

Eine Korsettbehandlung ist erforderlich bei der idiopathischen Skoliose ab einem Cobb-Winkel von 20° mit Progredienz (Verschlechterung) von 5° gegenüber der Voruntersuchung und noch vorhandener Wachstumspotenz.

Bei einer Skoliose mit einem Cobb- Winkel von mehr als 30° sollte eine Korsettbehandlung auch ohne nachgewiesene Progredienz durchgeführt werden. Die Korsettbehandlung kann die Progredienz aufhalten, jedoch die Skoliose nicht auf Dauer  korrigieren. Die anfängliche Verminderung der Krümmung geht nach Ende der Behandlung und Wachstumsabschluss wieder verloren. Man kann allerdings erreichen und  versprechen, dass die Skoliose dauerhaft so bleibt wie sie ist.

Voraussetzung für den Erfolg der Korsettbehandlung ist, dass das Korsett 23 Stunden am Tag tatsächlich getragen wird.

Das Korsett muss bis zum Wachstumsabschluß konsequent Tag und Nacht getragen werden.
Sport darf uneingeschränkt betrieben werden.
Es muss immer gleichzeitig Krankengymnastik erfolgen, da es durch das Tragen des Korsetts zu einer Schwäche der Wirbelsäulenmuskulatur kommt.

Operation:

Die Indikation zu einer Operation besteht ab einer Krümmung der Brustwirbelsäule ab 40° und bei einer Verkrümmung der Lendenwirbelsäule ab 50°, oder bei einer sehr starken Zunahme der Verkrümmung.
Mögliche Komplikationen: Nervenlähmungen ca. 0,4%, oberflächliche Infektionen 1-4%.

 

Zusammenfassung des Behandlungskonzepts:

Bei einem Skoliosewinkel unter 20°: Keine Behandlung.

Bei einem Skoliosewinkel von 20-30° bei nachgewiesener Progredienz  und noch zu erwartendem Wachstum von mehr als einem Jahr (bei Mädchen in der Regel bis ein Jahr nach Einsetzen der Menstruation): Korsettbehandlung oder Krankengymnastik.

Bei einem Skoliosewinkel 30-40° an der BWS und 30-50° an der LWS , wenn noch mehr als ein Jahr Wachstum: Korsettbehandlung.
Bei einem Skoliosewinkel ab 40° an der BWS und 50° an der LWS: Operation.

 

Nach Wachstumsabschluß

Skoliosewinkel unter 40° an der BWS, bzw. 60° an der LWS: Keine Behandlung.

Bei einem Skoliosewinkel von 40-60° an der BWS: Operation nur bei Wunsch des Patienten nach kosmetischer Verbesserung.

Bei einem Skoliosewinkel von mehr als 60°, da eine Zunahme auch im Erwachsenenalter zu erwarten ist.

An der LWS ist nur bei starker Verschlimmerung eine Operation indiziert.